Κυριακή, 19 Αυγούστου 2012

Was tun gegen rechtsextreme populistische Rhetorik?


 Die systematisch arbeitenden extremen Rechten zielten also auf die Veränderung des politischen Diskurses in seinem Kern und nicht in der Errichtung eines separaten politischen Diskurses am rechten Rande des politischen Spektrums, wie wir manchmal den Eindruck hatten. Hierbei ist grotesk aber wahr die Tatsache, dass die wichtigsten dieser Gruppierungen sich von Anfang an explizit auf Antonio Gramsci und sein Konzept der kulturellen Hegemonie bezogen, um diesen Prozess einzuleiten. Selbstverständlich, sie zielten auf eine kulturelle Hegemonie ab mit genau entgegengesetztem Inhalt als Gramsci meinte. Aber um die Hegemonie bei der Errichtung des Gesellschaftsbildes ging es ihnen.
 

Georgios Tsiakalos
 
Was tun gegen rechtsextreme populistische Rhetorik?

Das Problem

Rechtsextreme populistische Gruppierungen verbuchen oft Erfolge mit einer Argumentation, die uns zurecht als primitiv und simpel erscheint. Die Linke hat diese Tatsache immer wieder mit Erstaunen festgestellt, unterschiedlich interpretiert und als Antwort darauf ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht, laut protestiert und auf die Gefahren für die gesamte Gesellschaft hingewiesen. Selten jedoch hat sie den Versuch unternommen, eine konsistente und umfassende Strategie dagegen zu entwickeln. Letzteres geschieht, das ist meine These, weil sie die Erfolge der extremen Rechten meistens wie einen außergewöhnlichen Unfall betrachtet –ein Unfall, der einigen momentan herrschenden widrigen Umständen zuzuschreiben ist (wie z.B. hohe Arbeitslosigkeit gepaart mit dem zufälligen Auftreten eines rhetorisch charismatischen populistischen rechten Politikers).
Ich meine: mit einem solchen Verhalten kann man zwar immer wieder im nachhinein plausibel erscheinende Erklärungen liefern aber keine wirklich erfolgreiche Politik gegen die extremen Rechten machen.

 
Wie machen es die extremen Rechten?

Meine These lautet: nicht die jeweiligen Umstände sind der Grund für die Erfolge der extremen Rechte, sondern die Tatsache, dass ein weitverzweigtes Netz extrem rechter Gruppierungen jahrelang systematisch und erfolgreich gearbeitet hat, so dass heute viele Menschen bereit sind, bei bestimmten Umständen spontan den rechten politischen Konzeptionen gegenüber offen zu sein und, dagegen, unsere Argumentation entweder als nicht relevant oder als Nonsens oder sogar als gefährlich zu betrachten.
Was haben die extremen Rechten gemacht?
Ausgehend aus einem soliden sozialdarwinistischen Menschen- und Gesellschaftsbild haben sie die systematische Unterhöhlung der ideologisch wichtigsten Selbstverständlichkeiten unserer Gesellschaft in Angriff genommen –es ging um jene Selbstverständlichkeiten, die mit der Niederlage des Faschismus im zweiten Weltkrieg und der damit verbundenen Aufdeckung der Verbrechen des Faschismus und der ideologischen Wurzeln dieser Verbrechen einherging.
Ich weise hierbei besonders
• Erstens, auf die systematische Arbeit im Bereich der Biologie, mit der Auferstehung einer fatalen Soziobiologie, und
• Zweitens, auf den systematischen Versuch der Revision unserer historischen Auffassungen bezüglich der Nazi-Verbrechen, z.B. in Auschwitz, und der ideologischen Wurzeln dieser Verbrechen.
Diese langjährige Arbeit der extremen Rechten hatte nicht das Ziel, direkt und sofort in Wahlerfolge umgemünzt zu werden, sondern die Hegemonie der antifaschistischen demokratischen Gesellschaftsbilder zu brechen und durch die Hegemonie sozialdarwinistischer Gesellschaftsbilder zu ersetzen.
Die systematisch arbeitenden extremen Rechten zielten also auf die Veränderung des politischen Diskurses in seinem Kern und nicht in der Errichtung eines separaten politischen Diskurses am rechten Rande des politischen Spektrums, wie wir manchmal den Eindruck hatten. Hierbei ist grotesk aber wahr die Tatsache, dass die wichtigsten dieser Gruppierungen sich von Anfang an explizit auf Antonio Gramsci und sein Konzept der kulturellen Hegemonie bezogen, um diesen Prozess einzuleiten. Selbstverständlich, sie zielten auf eine kulturelle Hegemonie ab mit genau entgegengesetztem Inhalt als Gramsci meinte. Aber um die Hegemonie bei der Errichtung des Gesellschaftsbildes ging es ihnen.
Sie verstehen, dass ich hier eine langjährige Entwicklung mit nur sehr groben Linien skizzieren kann. Was ich sagen will, ist hauptsächlich folgendes: Menschen folgen rechtsextremistischen Populisten nicht, weil die Umstände sie zwangsläufig dahin treiben, sondern weil die wichtigsten Elemente eines rechtsextremistischen Gesellschaftsbildes schon vorher in der Gesellschaft erfolgreich kultiviert wurden und in den Zustand der Normalität einrücken konnten – in absolutem Gegensatz zu dem Zustand der ersten Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg.
Lassen Sie mich ein Beispiel anführen, um die Art solcher Arbeit zu verdeutlichen.
Seit vielen Jahren arbeitet in den USA, mit Zweigstellen auch in Europa, das Gruter Institut. Es handelt sich um eine reiche private Stiftung, die das Ziel verfolgt, die Rechtswissenschaften mit der Biologie zu verbinden – oder richtiger: unser Rechtssystem zu reformieren und auf solide biologische Fundamente zu stellen. In diesem angestrebten Rechtssystem können rassistische Aktivitäten nicht unter Strafe gestellt werden, da sie, nach dieser Biologie-Auffassung, lediglich Teil der biologischen Natur des Menschen seien. Und Gesetze gegen die Natur des Menschen sind unsinnig.
Wenn sie denken, dass es sich hierbei um ein Institut am Rande der Gesellschaft handelt, dann irren Sie sich leider, wie aus der Tatsache hervorgeht, dass die Institutsstifterin letztes Jahr nach Stockholm reisen durfte, um an der Verleihung des Nobelpreises für Ökonomie an einen der fellows des Instituts teilzunehmen.
Lassen Sie mich im Rahmen dieser groben Skizze der Arbeit der extremen Rechten auf ein wichtiges Merkmal ihrer Strategie hinweisen – weil gerade hier ein enormer Unterschied zu unserer Art politisch zu arbeiten deutlich wird.
Die extremen Rechten behaupten, dass ihre Grundkonzepte eigentlich allgemeine Anerkennung seitens aller bedeutenden Wissenschaftler genießen. Es sei nur der Druck einer eigennützigen politischen Elite, der die bedeutendsten Wissenschaftler davor abhält, diese angebliche Wahrheit zu gestehen. Es ist eine Strategie, welche schon die Nazis in Bezug auf ihr rassistisches Grundkonzept aufstellten. Sie behaupteten, dass angeblich alle bedeutenden Geister der Geschichte, von Plato und Aristoteles bis Voltaire und Kant und sogar Marx heimlich irgendwo in ihrem Werk das Rassenkonzept akzeptierten – und es war nur Eigennutz, wenn sie es laut ablehnten.
Ähnliches gilt auch heute: angeblich, alle wissen, dass die Wahrheit auf der Seite der extremen Rechten sei, aber viele verheimlichen es aus Eigennutz. Somit, treten die extremen Rechten als Aufklärer und Vertreter eines durch korrupte Politiker und Intellektuelle manipulierten Volkes auf. Es ist somit auch konsequent, wenn sie dann im parteipolitischen Alltag als die Vertreter einer schweigenden Mehrheit auftreten.
Ich habe in diesem Zusammenhang erwähnt, dass hier ein großer Unterschied zu uns zu sehen ist. Ich meine damit, dass man in unseren Reihen eher geneigt ist, einen Alleinvertretungsanspruch auf die Wahrheit in diesem Bereich für sich zu reklamieren als die Gemeinsamkeit des Grundkonzeptes mit vielen anderen zu postulieren.

Schlussfolgerungen für unsere Strategie

Lassen Sie mich jetzt einige Schlussfolgerungen für unsere Strategie ziehen.
1) Die Argumente gegen die extremen Rechten, die wir von der Generation des antifaschistischen Kampfes der 30iger und 40iger Jahre des letzten Jahrhunderts geerbt haben, reichen nicht aus, um erfolgreich zu sein – wenn uns wir weiterhin auf sie zurückgreifen wollen, dann müssen wir uns systematisch und konsequent gegen die Revision der Geschichte vorgehen. Aber, das bedeutet nicht nur und nicht hauptsächlich Geschichtsunterricht -es bedeutet vielmehr Ausarbeiten eines bewussten Umgangs mit dem Gebrauch und der Nutzung seitens der extremen Rechten solcher Begriffe, wie political correctness (die uns vorgeworfen wird) oder Freie Meinungsäußerung (unter der sie die Umkehrung geschichtlicher Tatsachen als Propagandamittel zu legitimieren versuchen).
2) Ähnlich gilt es, dass das Argument, wonach die extreme Rechte per se die demokratische Gesellschaft gefährdet, nicht mehr von alleine wirkt, sondern nur wenn wir systematisch und konsequent die Auswirkungen des sozialdarwinistischen Menschen- und Gesellschaftsbildes plausibel illustrieren kännen.
3) Schließlich, müssen wir darauf achten, dass unsere Politik in einigen Teilbereichen, so formuliert wird, dass sie nicht in die rechtsextreme Argumentation integriert wird und zu ihrer  Legitimation beiträgt.
Zur Verdeutlichung des letzten Punktes sind eventuell einige Beispiele notwendig:
• Die Bejahung eines Rechts für Minderheiten, ihre nationale Identität zu bewahren, kann die Bedeutung des Begriffes Nation zu Lasten sozialer Begrifflichkeiten verstärken und somit eines der wichtigsten Begriffe der extremen Rechte in den Mittelpunkt des politischen Diskurses stellen. Man muss dem zuvorkommen. Ich sage jetzt schon: die Antwort auf diese potentielle Gefahr ist nicht die Verneinung des konkreten Rechtes.
• Ähnliches gilt bei dem Postulat der Vielfalt der Kulturen, welches von den extremen Rechten in ihrer Argumentation gegen Einwanderer integriert wird.
• Und gleiches gilt für unsere Darstellung der Masseneinwanderung als Folge der Verarmung in der Welt, die wiederum ein Resultat der Globalisierung ist. Dort, wo wir richtig die Auswirkungen der Globalisierung darstellen und in diesem Zusammenhang die Immoralität des Konzepts Festung Europa zeigen, versuchen die extremen Rechten bei Verwendung der gleichen Tatsachen aber im Rahmen ihres Gesellschaftsbildes, angebliche Gefahren durch Einwanderer zu betonen und somit gegen die Einwanderer zu hetzen.
Alles was ich in Kürze geschildert habe, zeigt die Notwendigkeit, die Rhetorik der extremen Rechte nicht zu unterschätzen –aber gleichzeitig zeigt es, dass wir wissen woraus diese Rhetorik gespeist wird und in welchem Zusammenhang sie erfolgreich sein kann. Weil wir dies wissen, können wir diese Rhetorik auch systematisch bekämpfen.
Es gibt in Europa viele Gruppen, die diese Aufgabe zu eigen gemacht haben. Mit größerem oder kleinerem Erfolg. Ich glaube, dass wir als unsere dringlichste Aufgabe sehen müssen, die Zusammenarbeit dieser Gruppen voranzutreiben und dafür eine entsprechende ständige Arbeitsgruppe im Rahmen des Europäischen Sozialforums zu errichten.